B+W vs. Haida ND1000 Graufilter

Ein Graufilter ist eine feine Sache. Damit kann man im Sonnenlicht längere Belichtungen erreichen oder die Blende weiter öffnen beim Blitzen. Der Graufilter (Neutral Density) verringert gleichmäßig die Helligkeit im Bild. Will man hier einen starken Effekt haben z.B. 1000fach = 10 Blenden, so stellt das einige Anforderungen an die optische Qualität des Filters.

Ich halte also einen 1000fach Graufilter in der Hand und versuche durch das schwarze Glas zu schauen, aber es gelingt mir nicht. Alles dunkel. Der Filter verringert die Helligkeit um den Faktor 1000, das entspricht 10 Blenden. Darum geht es ja, so kann man Langzeitbelichtungen am Tag machen. Am Meer/Bach/Wasserfall, auf einem belebten Platz in der Stadt oder in der Landschaft bei schnell ziehenden Wolken – es lassen sich damit tolle Bilder erstellen.

Zwei ND1000 Graufilter habe ich mir angeschaut, beide in 82mm für das Canon 16-35II und 24-70II. Der Klassiker kommt vom deutschen Hersteller B+W. Neuerdings gibt es ihn auch in einer Version mit MRC-Vergütung. Preislich liegt der B+W Filter bei 160 Euro. Der Herausforderer ist ein Filter vom chinesischen Hersteller Haida. Dieser kommt in Slim-Ausführung und mit einer MC-Vergütung und kostet nur 60 Euro.

  • B+W Graufilter 110 MRC 1000x ND3.0 82mm
  • Haida Slim Pro II MC ND3.0 1000x 82mm

Der B+W Filter ist 4,5mm hoch, der Haida Filter in der Slim-Ausführung etwas flacher. Beide Filter verursachen aber keine Abschattungen am 16-35L bei 16mm. Etwas anderes ist aber das Thema Vignettierung. Bei 16mm am Vollformat treffen die Lichtstrahlen in den äußeren Bildbereichen ziemlich schräg auf die Filteroberfläche und müssen dann durch die 1000fache Verdunklung gelangen. In der Mitte ist das kein Problem, aber außen gibt es wegen dem Winkel Lichtverluste und das äußert sich in einer Vignettierung beim Ultraweitwinkel.

Beide Filter zeigen hier sehr ähnliche Ergebnisse. Die Vignettierung erscheint beim B+W Filter minimal stärker zu sein, aber der Filter verdunkelt auch etwas mehr. Ich komme beim B+W Filter auf 10,6 Blenden während der Haida Filter 10,3 Blenden erreicht. Die gezeigten Bilder sind in der Helligkeit angepasst und mit dem gleichen Weißabgleich entwickelt worden. Dabei sieht man, dass die Farbverschiebung auch ähnlich ist – ein Stück in den wärmeren Bereich – wobei der B+W einen etwas mehr ausgeprägten Lila-Ton hat. Die Schärfe ist kein Problem bei beiden Filtern. Sie verringern nicht die Abbildungsqualität, wie man bei den 100% Crops erkennen kann. Auch im Gegenlicht-Test kann ich keine Unterschiede feststellen, beide Filter zeigen hier ein sehr ähnliches Bild.

Fazit: Insgesamt kann ich keine Vorteile für den B+W Filter erkennen und damit auch keinen Grund hundert Euro mehr für ihn auszugeben. Der Gewinner des Tests ist hier der Haida Filter.

P.S. Noch ein Tipp zur Anwendung, man sollte zuerst die Kamera auf dem Stativ ausrichten, den Fokus einstellen und auf MF schalten, und dann erst den Filter aufschrauben. Sonst wird es ziemlich dunkel im Sucher. Allerdings hilft hier auch die Liveview-Funktion, wenn man die Belichtungssimulation entsprechend eingestellt hat. 😉

18.05.2014

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