Foto-Revolution alle 20 Jahre?

Die Fotografie gibt es seit dem 19. Jahrhundert und es hat sich in den letzten Jahrzehnten viel getan. Heute fotografieren wir mit modernen Digitalkameras. Stimmt es, dass ungefähr alle 20 Jahre ein großer Umbruch bei der Kameratechnik stattfindet und ist es nun wieder soweit?

Es war ein Nebensatz in einem Interview, der mich darauf aufmerksam machte. Kazuto Yamaki, der Chef von Sigma, äußerte da die These, dass es gerade wieder eine Foto-Revolution gebe. Dies sei im üblichen 20-Jahresrhythmus. Das fand ich interessant und habe das mal etwas näher betrachtet und recherchiert. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass Mr. Yamaki Recht hat.

1960 – Vom Messsucher zur Spiegelreflexkamera

Es war im Jahr 1959 als die ersten Spiegelreflexkameras vorgestellt wurden. Im April präsentierte Nikon die Nikon F, im Mai folgte Canon mit der Canonflex. Ende des Jahres präsentierte Yashica die Pentamatic, die dann ab Frühjahr 1960 erhältlich war. Nun konnte der Fotograf im Sucher das Bild durch das Objektiv sehen, das war spektakulär. Bei den Messsucherkameras, die man sonst verwendete, war das nicht möglich. Man sah einen leicht anderen Bildausschnitt, gerade im Nahbereich, und auch die Bildwirkung/Freistellung musste man abschätzen. Mit einer Spiegelreflexkamera sah man nun bei der Aufnahme, was die Kamera tatsächlich aufnehmen würde. Das war ein enormer Fortschritt und in den folgenden Jahren und Jahrzehnte verbreitete sich diese Technik immer mehr.

1980 – Vom manuellen Fokussieren zum Autofokus

Anfang der 80er Jahre kamen dann die ersten Kameras mit Autofokus auf den Markt. Im Jahr 1981 präsentierte Pentax die ME-F, 1983 gab es von Nikon die F3AF. 1985 stellte Minolta dann mit der 7000 die erste Kamera vor, die einen Autofokusmotor im Kameragehäuse integriert hatte. Die Technik dafür war zuvor von Leica entwickelt worden. Leica hatte auf der Photokina 1976 und 1978 bereits Prototypen mit Autofokus präsentiert, aber dann entschieden, dass ihre Kunden lieber manuell fokussieren und das Patent an Minolta verkauft. Canon macht dann im Jahr 1987 den Schritt vom FD-Bajonett zum EF-Bajonett und präsentierte mit der EOS 650 ihre erste Kamera mit elektrischer Schnittstelle, die es ermöglichte den Autofokusantrieb in das Objektiv einzubauen. Nun musste Fotografen nicht mehr manuell scharfstellen. In den folgenden Jahren kamen immer mehr Kameras mit Autofokus auf den Markt. Es war eine Neuerung in der Fototechnik, die sich recht schnell und nachhaltig durchsetzte.

2000 – Von der Analogfotografie zur Digitalfotografie

Die Jahrtausendwende brachte eine neue Ära in der Fotografie. Bisher hatte man analog auf Film fotografiert. Die Digitalfotografie sollte das Fotografieren wesentlich verändern. Im Jahr 1999 kam die Nikon D1 auf den Markt. 2000 folgte die Fujifilm Finepix S1 Pro und 2001 dann die Canon EOS 1D. In den folgenden Jahren setzten sich digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) immer mehr durch. Keinen analogen Film mehr entwickeln zu müssen, sondern das Foto direkt digital zur Verfügung zu haben, war eine Revolution und sollte die Fotografie entscheidend verändern.

2020 – Von der DSLR zur Mirrorless-Kamera

Auch wenn inzwischen so gut wie alle Fotografen digital fotografieren, so sind die Kamera meistens noch in der herkömmlichen Spiegelreflex-Bauart konstruiert gewesen. Aber nun ist der Spiegelkasten überflüssig geworden und es kommen mehr und mehr Mirrorless-Kameras auf den Markt. Die spiegellose Konstruktion ermöglicht eine kompaktere Bauform und bietet neue technische Möglichkeiten z.B. beim Autofokus. Sony hatte schon 2013 die A7 mit E-Bajonett vorgestellt. Nun im Jahr 2018 machte Nikon den Schritt mit der Z7 und Canon mit der EOS R. Beide bringen jeweils ein neues Bajonett und damit die Abkehr von den alten DSLR-System, die in den Jahrzehnte zuvor genutzt wurden. Anfang 2019 folgte dann Panasonic mit der S1 mit L-Bajonett.

Der Schritt von der DSLR zur Mirrorless-Kamera scheint vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz so spektakulär zu sein, wie die vorherigen Neuerungen Autofokus und Digitalfotografie. Aber ich denke dennoch, dass es sich um einen entscheidenden Einschnitt bei der Fototechnik handelt. Bisher hatten wir ja quasi traditionelle Spiegelreflexkameras, nur mit einem digitalen Sensor. Das fällt nun weg und ermöglicht einerseits neue Bauformen (und durch das wesentliche kürzere Auflagemaß auch ganz neue Objektivkonstruktionen) und andererseits auch neue Techniken (permanentes Auslesen des Sensors, Gesichtserkennung, Eye-AF, Motivverfolgung). Kameras wie eine Fuji GFX-50R oder eine Zeiss ZX1 wären vor Kurzem noch kaum vorstellbar gewesen. Ich denke in der nächsten Zeit werden wir noch ein paar innovative Konzepte sehen. Insbesondere bei den beiden Volumenherstellern Nikon und Canon werden wir in den nächsten Jahren sehen, dass die neuen Mirrorless-Systeme mit Z- und RF-Bajonett deutlich wachsen und die alten Spiegelreflex-Systeme mit F- und EF-Bajonett langsam immer weniger genutzt werden.

Bilder von Wikimedia Commons.

11.11.2018

 

 

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