Christopher Anderson fotografiert die Trump Administration
Ein Magazin schickt einen Fotografen um Regierungsmitglieder zu fotografieren. So weit, so gewöhnlich. Nur dass der Fotograf hier keinen normalen Job gemacht hat und nun alle drüber diskutieren. Schauen wir mal genauer hin.
Das Magazin Vanity Fair hat also den Fotografen Christopher Anderson nach Washington geschickt für eine Story über die Trump Administration. Christopher Anderson ist nicht irgendein Fotograf sondern ein absoluter Profi, er war sogar 18 Jahr lang Magnum Photo Mitglied.
Mal angenommen man ist der Meinung, dass diese Politiker böse sind und möchte sie schlecht darstellen, zu welchen fotografischen Stilmitteln würde man greifen? Nur darf es nicht zu auffällig sein sondern eher subtil. Man muss sich noch rausreden können, dass es keine Absicht war sondern nur kleine handwerkliche Fehler.
Dafür sehen wir hier mustergültige Beispiele. Einem Profi wie Anderson passieren solche Dinge nicht, sondern er macht sie mit Absicht. Schauen wir uns die Fotos an, das wird interessant.
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1. Das Gruppenbild, der Aufmacher der Story. Eigentlich klassisch, alle scheinen normal zu posieren. Die Gruppe wirkt aber wie eine Gang, ich muss an die Serie “Succession” denken. Die Gruppe ist nicht geschlossen sondern es gibt eine große Lücke in der Mitte, verstärkt durch den Türrahmen. Abraham Lincoln blickt auf sie hinab, was würde er wohl denken? Oben ist das Bild abgeschnitten, sowohl beim Bogen über der Tür als auch beim Gemälde rechts. Unten hat das Bild sehr viel Platz, zeigt sogar noch etwas außerhalb des beleuchteten Bereichs. Der Tisch wurde in den Vordergrund genommen und wirkt riesig, was auch dazu beiträgt die Gruppe klein bzw komisch wirken zu lassen. Der Blick fällt auf Suzie Wiles mit ihren aufgerissenen Augen. Die unwichtigste Person (von einem bildgestalterischen Standpunkt) ist JD Vance.
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2. Das Bild über das alle reden, ein sehr enges Portrait der Pressesprecherin Karolin Leavitt. Ich finde hier hat der Fotograf zu einem etwas billigen Stilmittel gegriffen, wenn es auch öfter in seinem Repertoire bei anderen Serien vorkommt. Ich will gar nicht über die Einstichstellen für Lipfiller reden sondern möchte die Aufmerksamkeit auf die Beleuchtung lenken. Die Hauptlichtquelle kommt von unten, wie man an den Highlights in den Augen sieht. Eine Lichtquelle tiefer als Augenhöhe kommt in der Natur nie vor und kennt man eigentlich nur von Horrorfilmen. Hier wurde der Effekt subtil angewendet, denn das Licht ist nur leicht tiefer als Augenhöhe. Dann wurden Lichtquellen mit verschiedenen Farben verwendet. Das Aufhelllicht scheint sehr kalt (bläulich) eingestellt zu sein, das Akzentlicht sehr warm (orange). Das führt zu einem schrecklichen ungesunden Hautton und das dürfte auch Absicht sein.
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3. Steven Miller, der Einflüsterer, mit einem vermeintlich normalen Portrait. Warum wirkt er dann wie ein Gangsterboss und dazu noch ziemlich klein? Die Bildkomposition lässt ihn klein wirken, weil oben viel Platz gelassen wurde, lustigerweise um ein Bild von amerikanischen Ureinwohnern zu zeigen. Das Bild mit dem schweren Rahmen drückt auf ihn. Sein Kopf ist nicht vor oder über dem Rahmen sondern darunter. Dann die Beleuchtung: wir haben hier ein Portrait mit Rembrandt-Licht. Nur dass das Lichtdreieck auf der lichtabgewandten Seite nur die Wange und nicht das Auge beleuchtet. Ein handwerklicher Fehler, aber hier wohl mit Absicht als Stilmittel verwendet wurde. Dass sein Sakko zur Seite gerutscht ist und recht unvorteilhaft der Bauch sichtbar ist, dürfte in die gleiche Kategorie fallen.
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4. Dan Scavino, Vize-Stabschef im Weißen Haus. Ok, das Bild (und die Frisur) sagt alles. Wie kann man jemanden so unvorteilhaft aussehen lassen, das ist schon lustig. Aber auch hier, achtet auf die Beleuchtung, denn sie macht den Unterschied bei jedem Portrait. Die Stirn (Geheimratsecke) ist die hellste Stelle im Bild und die Augen liegen im Dunkeln. So leuchtet man ja kein Portrait aus, es sei denn mit Absicht.
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5. Marco Rubio, der Außenminister. Ich kann mir vorstellen wie der Fotograf vielleicht etwas gesagt hat wie staatstragenden Pose, aus dem Fenster blicken. Wir kennen andere Portraits von Staatsmänner, aber das hier ist anders. Er wirkt klein und das kommt durch die Bildgestaltung. Er dreht einem den Rücken zu, ist von hinten fotografiert, das macht man eigentlich auch nicht. Wenn schon aus dem Fenster blickend, dann normalerweise seitlich. Und die Hände in den Taschen, das ist das Gegenteil von einem Macher. Das ist jemand, der passiv/inaktiv/hilflos ist – bestimmt keine Pose für ein staatstragendes Portrait. Und schließlich der Bildschnitt, es wurden all die störenden Elemente mit reingenommen und nicht weggeschnitten… rechts der Schrank und links, haha, das Krokodil. Wie auch die anderen Fotos der Serie ist alles etwas schief und die Linien der Wände verlaufen nicht rechtwinklig.
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6. Der Vizepräsident. Wenn ein Portrait immer ein Abbild davon ist, was der Fotograf vom Portraitierten hält… was hält dann Christopher Anderson wohl von JD Vance? Auch hier wurden die ganzen störenden Elemente in die Bildkomposition mit reingenommen. Der Stuhl und die Lampe rechts, sowie links unten die Bodenklappe sowie das schlecht ausgebesserte Stück vom Sockel. Dann dieser riesige Lichtschalter! Ich meine man hätte JD Vance davor stellen können oder den Lichtschalter wegretuschieren, aber dieses störende Element wird absichtlich gezeigt. Und die Schlagschatten! Warum steht er überhaupt an der Wand und nicht ein Stück davon weg? Ganz schön fies gemacht, ebenso wie den Moment einzufangen, wo er mit den Händen komisch an den Knöpfen rumfummelt. Kein Aufhelllicht für die Augen, nur das harsche Seitenlicht mit Schlagschatten. So erreicht man hier die gewünschte Bildwirkung.
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Ich denke für jeden, der sich für Bildgestaltung und fotografische Stilmittel interessiert, ist diese Bilderserie außergewöhnlich und lehrreich. Das waren ein paar Gedanken von mir dazu.
Mehr Gedanken von anderen Interessierten gibt es unter anderem hier:
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Alle gezeigten Fotos wurden von Christopher Anderson fotografiert. Vanity Fair hat die Fotos vorab in den sozialen Medien veröffentlicht. Die eigentliche Story erscheint im Magazin am 20.01.2026.
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28.12.2025
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