Stand der Kamerasysteme

Wir haben Anfang 2018, wo stehen wir aktuell mit den verschiedenen Kamerasystemen am Markt? Was hat sich in letzter Zeit getan, was ist in diesem Jahr zu erwarten? Welches System ist zurzeit empfehlenswert? Hier kommt mein Überblick zum Stand der Kamerasysteme.

Es wird so viel fotografiert wie nie, aber die Verkäufe von Systemkameras sind rückläufig. Was sollte man als Hobby- oder Profifotograf im Jahr 2018 in der Kameratasche haben? Vermutlich 1-2 Kameras, 3-5 Objektive, ein paar Akkus und Speicherkarten, ein paar Filter und Visitenkarten. Letztere bekommt man übrigens gut bei Helloprint, dort gibt es 500 Karten für 20,77€. Aber mit welchem Kamerasystem ist man aktuell gut aufgestellt?

DSLR-SYSTEME

Canon (EF-Mount)

Canon ist nach wie vor der Marktführer für digitale Spiegelreflexsysteme. Es gibt Kleinbild-Kameras wie 1D, 5D, 6D und es gibt APS-C-Kameras wie 7D, 80D, 800D. Die Kameras sind gut, aber nicht besonders innovativ. Canon agiert sehr konservativ und bringt kaum Neuheiten. Die Canon 5D IV ist nicht schlecht, aber eine Nikon D850 bietet einfach viel mehr für gleiches Geld. Die Canon 6D II ist enttäuschend mit dem geringen Dynamikumfang. Inzwischen empfehle ich Canon nicht mehr, auch wenn sie (noch) Marktführer sind. Das Objektivangebot ist sehr groß und gut, aber es gibt nur wenige Neuheiten z.B. ist das 50/1.4 nun 25 Jahre alt.

Nikon (F-Mount)

Nikon feiert gerade den 100. Firmengeburtstag, aber hat zurzeit schlechte Zahlen und kämpft mit Entlassungen und Werksschließungen. Sie sind die Nummer 2 bei digitalen Spiegelreflexsystem. Auch hier gibt es Kleinbild- und APS-C-Kameras. Mit der D750 haben sie eine Kamera mit guten Preis-Leistungs-Verhältnis im Angebot. In die neue D850 haben sie alles eingebaut, was sie können. Hier bekommt man eine Top-DSLR-Kamera geliefert. Zudem ist das Objektivangebot sehr groß und gut, sowie auch innovativ z.B. sind in den letzten Jahren viele neue 1.8er Festbrennweiten herausgekommen.

Sony (A-Mount)

Bei dem Sony Alpha-System handelt es sich um das ehemalige Minolta-System. Die Kamera sind keine reinen DSLR-Kameras, sondern verfügen über einen teildurchlässigen Spiegel. Allerdings wird das System kaum weiterentwickelt, weil sich Sony auf sein Mirrorless-System (E-Mount) konzentriert. Daher bin ich der Meinung, dass es sich beim DSLR-System (A-Mount) um eine Sackgasse handelt. Das Objektivangebot ist mittelmässig. Nicht kaufen!

Pentax (K-Mount)

Pentax gehört zu Ricoh und hat einen sehr kleinen Marktanteil. Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Das Objektivangebot ist auch nicht besonders groß. Diese Nische ist zu klein, zumal der gesamte DSLR-Markt sowieso schrumpft. Nicht kaufen!

 

MIRRORLESS-SYSTEME

Fujifilm (X-Mount)

Als Fuji damals die X100 rausbrachte, haben alle verwundert geschaut. Inzwischen haben sie mit dem X-System ein wirklich gutes APS-C-Mirrorless-System am Start. Kameras wie die X-T2 überzeugen und das Objektivangebot ist nicht das größte, aber vollständig. Zudem sind die Linsen sehr gut. Das System ist gut auf Fotografen ausgerichtet und empfehlenswert. Kaufen!

Sony (E-Mount)

Sony hat in den letzten Jahren eine Entwicklung hingelegt wie keine andere Foto-Firma. Nicht nur die Bildsensoren sind spitze, auch die Mirrorless-Kameras sind inzwischen wirklich gut. Das Topmodell A7RIII bietet eine beeindruckende Technik und lässt keine Wünsche offen. Es gibt kleine APS-C-Kameras wie die A6000, aber auch Kleinbild-Kameras wie die A7-Reihe. Meine Budget-Empfehlung ist die A7II. Das Objektivangebot hat sich stark entwickelt und es gibt fast keine Lücken mehr. Dazu kommen viele Objektive von Drittherstellern sowie die Möglichkeit die meisten alten Objektive zu adaptieren. (Hier eine Übersicht aller aktuell verfügbaren Kleinbild-Objektive) Was will man mehr? Kaufen!

Olympus und Panasonic (MFT-Mount)

Das Micro-Four-Thirds-System der beiden Firmen war das erste Mirrorless-System am Markt. Die Sensoren sind nur halb so groß wie bei APS-C (ein Viertel so groß wie bei Kleinbild), aber dafür sind die Kameras und auch die Objektive durchaus kompakt. Ich kann verstehen, dass sich das System großer Beliebtheit erfreut, auch weil das Objektivangebot inzwischen durchaus vollständig ist. Allerdings bevorzuge ich dann doch lieber eine APS-C-Mirrorless-Kamera von Fuji oder Sony, die kaum größer ist und eine bessere Bildqualität bietet.

Canon (EF-M-Mount)

Der Marktführer Canon hat auch ein Mirrorless-System im Angebot. Beim EF-M-Mount handelt es sich um eine APS-C-System. Canon betreibt dieses System sehr unwillig und bietet hier nicht mehr als das Nötigste. Es gibt bisher nur eine einzige Kamera (M5) , die überhaupt einen Sucher hat. Das Objektivangebot besteht auch nur aus einer handvoll Consumer-Zoom-Objektiven. Nicht kaufen!

Nikon (1-Mount)

Auch Nikon hat ein Mirrorless-System bzw. hatte ein Mirrorless-System. Das Nikon 1-System wurde inzwischen eingestellt. Das Konzept mit 1“-Sensoren (halb so groß wie MFT, ein Achtel so groß wie bei Kleinbild) konnte einfach nicht überzeugen, zudem die Kameras auch sehr Consumer-orientiert waren (Einstellungen per Touchscreen statt Knöpfe). Die auf der letzten Photokina vorgestellten Kameras wie die DL 18-50 sind nie erschienen und wurden im Zuge der Sparmaßnahmen eingestellt. Hinwieder tauchen Restposten von Nikon 1-Kamera auf. Nicht kaufen!

Samsung (NX-Mount)

Samsung hatte auch ein Mirrorless-System, aber hat inzwischen seine Fotosparte komplett eingestellt. Die Modelle konnten nie einen nennenswerten Marktanteil erreichen.

Leica (M-Mount)

Bei den traditionsreichen Leica M Kameras handelt es sich nicht um Mirrorless- sondern um Sucherkameras. Es gibt viele kleine und hochwertige Festbrennweiten. Dennoch halte ich das System heute nicht mehr für zeitgemäß (und zudem schlicht für überteuert). Meine eigenen Erfahrungen damit waren eher bescheiden. Man ist doch in seinen fotografischen Möglichkeiten ziemlich eingeschränkt. Wer unbedingt Leica M Objektive verwenden will, schraubt diese besser an eine Sony A7 Kamera, finde ich.

Leica (L-Mount)

Leica hat auch noch zwei Mirrorless-Systeme und zwar das TL-System mit APS-C und das SL-System mit Kleinbild. Beide Systeme sind eine sehr kleine Nische. Für das TL-System kann ich sagen, da bekommt man bei Fuji oder Sony ein besseres APS-C-Mirrorless-System. Für das SL-System kann ich sagen, dass sowohl Kameras als auch Objektive viel zu sperrig sind. Außerdem ist die Objektivauswahl zu klein. Nicht kaufen!

Leica (S-Mount)

Schließlich gibt es noch ein Mittelformat-System von Leica, wobei der Sensor mit 45x30mm nur wenig größer ist als bei Kleinbild. Ich habe damit selbst keine Erfahrungen aber kann sagen, dass es ziemlich groß und teuer ist. Ich kann aktuell keinen Grund sehen, sich dafür zu entscheiden. Mit einer Nikon D850 oder einer Sony A7RIII hat man eine bessere Bildqualität.

Mittelformat-Mirrorless (Fujifilm G-Mount und Hasselblad XCD-Mount)

Seit dem letzten Jahr gibt es zwei Mittelformat-Mirrorless-Kameras auf dem Markt, die Fuji GFX und die Hasselblad X1D. Beide verwenden einen Sony-Sensor mit 44x33mm und 50 Megapixel. Beide Systeme sind relativ neu und haben auch nur einige Objektive zu bieten, diese sind allerdings sehr gut. Hasselblad tut sich nach ein paar Restrukturierungen etwas schwer mit Bugfixing und Firmware-Updates. Ich finde beide Systeme grundsätzlich sympathisch und innovativ. Aber letztendlich ist man mit einem Kleinbild-System besser (und günstiger) dran, davon bin ich überzeugt.

 

WO STEHEN WIR JETZT?

DSLR-Systeme werden vom Standard zur Nische, während Mirrorless-Systeme von der Nische zum Standard werden. Kameras brauchen heute keinen Spiegel mehr und Fotografen wollen nicht so viel Gewicht mit der Fotoausrüstung durch die Gegend schleppen. DSLR-Kameras werden bei Sport- und Wildlife, also im Telebereich, sicher noch weiterhin bestehen. Aber für Reise, Reportage, Landschaft, Porträt und Hobby ist man mit einem guten Mirrorless-System heute einfach besser aufgestellt.

Das Sony FE-System ist zurzeit sehr erfolgreich, weil es praktisch das einzige Kleinbild-Mirrorless-System am Markt ist. Inzwischen gibt es auch einige Drittanbieter, die FE-Objektiven anbieten wie Zeiss, Voigtländer, Tokina, Samyang, Laowa und vermutlich wird in Kürze Sigma hinzukommen. Sony ist gerade dabei Nikon als Nummer 2 im Markt zu überholen.

Auch das Fuji X-System und das Micro-Four-Thirds-System haben ihren Marktanteil und sind beliebt. Dieser Mirrorless-Trend wird sich fortsetzen, während der DSLR-Markt schrumpft.

WIE GEHT ES WEITER?

Die spannende Frage ist, ob wir in diesem Jahr von Canon oder von Nikon ein neues Kleinbild-Mirrorless-System sehen werden. Gerüchte dazu gibt es reichlich. Ich kann es mir bei Canon kaum vorstellen. Sie verfolgen eine sehr konservative Produktpolitik und wollen an ihrem DSLR-System festhalten, zudem haben sie ein APS-C-Mirrorless-System am Start. Nikon würde ich diesen Schritt eher zutrauen. Ihr altes Mirrorless-System ist gescheitert und sie haben stärker mit zurückgehenden Marktanteil zu kämpfen, somit gibt es einen höheren Innovationsdruck. Das wäre sicher sehr spannend sein zu sehen (gerüchtehalber soll es sich um ein Z-Mount mit 16mm Auflagemaß handeln), aber wird es nicht einfach haben, weil es praktisch bei null starten müsste.

Bei den Objektiven werden sich zwei Trends fortsetzen. Einerseits wird es mehr High-End-Objektive für höchste Auflösungen geben, die sehr sperrig und recht euer sind wie z.B. Zeiss Otus, Sony GM, usw. Auf der anderen Seite werden mehr Lomo-Objektive angeboten. Dabei handelt es sich um alte Objektivrechnungen, die sich durch ihren Charakter auszeichnen. Man könnte auch sagen, es handelt sich um absichtliche Abbildungsfehler und schlechte optische Qualität. Aber es gibt einen Markt dafür im Sinne von Back-to-the-roots. Das haben auch einige chinesische Anbieter erkannt, die alte deutsche Markenrechte aufkaufen z.B. Bad Kreuznach und „charakteristische“ manuelle Objektive zu sehr hohen Preise via Kickstarter verkaufen.

Ich würde mir wünschen auch wieder mehr technisch aktuelle Objektive zu sehen, wo kompakte Abmessungen stärker gewichtet werden und man dafür auch bereit ist das letzte Prozent optische Leistung einzubüßen. Ich muss nicht bei 50 Megapixel bei Offenblende den letzten Pixel in der Ecke knackscharf haben. Das Sony FE 28mm und das neue Sony E 18-135mm sind hier zwei Beispiele. Wie wäre es mit einem kompakten FE 20/2.8 oder 200/2.8?

Alle anderen, die keine Kamera kaufen und schleppen wollen, werden weiterhin mehr und mehr mit dem Smartphone fotografieren. Hier geht die Entwicklung zu mehreren eingebauten Objektiven, wie wir es bei den aktuellen iPhones sehen.

 

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28.01.2018

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2 comments

  • Kai 28.01.2018   Reply →

    Cooler Artikel! Bevor ich von meinem Canon-DSLR-Park auf Spiegellose umsteige wird es wohl doch noch eine weitere Mk IV geben, aber bei Canon muss wirklich dringend was passieren!

  • Torsten 14.02.2018   Reply →

    Auch wenn ich mich dieser Tage weniger auf Foto-Blogs herumtreibe und ich schon länger deine Seite nicht mehr besucht hatte: Ich hatte vor geraumer Zeit schon mal einen Artikel von dir kommentiert, wo du aber auch wirklich 100 % meine Auffassung vertreten hattest. Genauso wieder hier: sowohl deine Einschätzung der Systeme als auch der Wunsch, gute (nicht aberwitzig perfekte, aber sehr gute) und dafür wirklich kompakte Objektive für die Mirrorless Systeme haben zu wollen… Unterschreibe ich Wort für Wort bis zum i-Tüpfelchen!

    viele Grüße,
    Torsten

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