Ein Blick auf die Sony A6700 Kamera

Nachdem es lange Zeit nichts Neues gab bei den Sony APS-C-Kameras hat Sony letztens mit der A6700 ein neues Top-Modell vorgestellt. Ich habe mal einen Blick auf die Kamera geworfen und konnte sie auf der Photopia auch anfassen und ausprobieren. Hier sind meine Gedanken zu dem Modell.

Es ist ein bisschen lustig mit den Kameras der 6000er Serie bei Sony. Oberflächig betrachtet sehen sie alle gleich aus und irgendwie haben sie auch alle 24 Megapixel und machen 11 Bilder pro Sekunde. Kaum jemand blickt wirklich durch, was die Unterschiede sind – dabei liegen teilweise viele Jahre technischer Fortschritt zwischen den verschiedenen Modellen. Die Sony A6000 feiert in wenigen Wochen tatsächlich ihren 10. Geburtstag! Mit der A6700 hat Sony nun ein ganz neues Modell vorgestellt und mit dieser Grafik möchte ich versuchen aufzuzeigen wie und wo sich die Neue mit den anderen Modellen aus der APS-C Übersicht einordnet:

Wir sehen also, es gab immer ein höherwertiges Modell mit eingebauten Bildstabi (IBIS) und ein mittleres Modell ohne diese Funktion. Bei den 2016er Modellen waren das A6300 und A6500, bei den 2019er Modellen waren es A6400 und A6600. Ich persönlich habe ja die A6400 und kenne gut den Vergleich zur A6600. Die A6600 ist etwas dicker und klobiger, auch weil sie den größeren Akku aufnimmt. Dabei verzichtet sie auf den eingebauten Blitz im Gehäuse. Genau hier setzt die neue A6700 an – sie ist offensichtlich das Nachfolgemodell der A6600 und somit das neue Top-Modell in Sony’s APS-C-Lineup.

Auf der Photopia habe ich meine A6400 mal neben die neue A6700 gelegt. Die A6700 ist doch ein ganzes Stück dicker und klobiger. Vom ergonomischen Standpunkt mag das ein Vorteil sein, der Handgriff ist viel deutlicher ausgeformt, aber wenn ich eine kompakte Kamera haben möchte, die ich auch mal in die Jackentasche stecken kann, dann sieht es doch eher schlecht aus. Außerdem möchte ich nur ungern auf den kleinen eingebauten Blitz verzichten, der manchmal doch recht praktisch ist.

Der Ein-/Ausschalter lässt sich nun anders drehen, irgendwie klappt das auch nicht mehr direkt mit der Bewegung vom Zeigefinger. Und dass das Modusdrehrad an der Oberseite nun zweigeteilt mit einer zusätzlichen Scheibe ist, empfinde ich auch nicht als Verbesserung.

Ansonsten ist mir aufgefallen, dass die Menu-Taste nun ungünstiger positioniert ist. Bei meiner A6400 kann ich die noch mit dem Daumen erreichen. Bei der A6700 muss ich die linke Hand dazu nehmen, eine Ein-Hand-Bedienung funktioniert hier nicht mehr.

Mir scheint auch, durch das dicke Gehäuse lässt sich das Drehrad rechts für die Belichtungskorrektur schlechter mit dem Daumen erreichen. Von der Position der C1-Taste rechts an der Gehäuseseite will ich mal gar nicht reden. Es ist mir ein Rätsel, wer sich sowas ausdenkt.

Soweit zur Ergonomie, kommen wir nun zu den technischen Eigenschaften. Was hat sich in den letzten vier Jahren getan, mit welchen Features möchte Sony die User zum Kauf des neuen Modells überzeugen? Der optische Sucher ist es schonmal nicht. Hier ist noch immer ein Sucher mit 1024×768 Auflösung verbaut (im Marketingsprech: 2.36 Millionen Punkte, wobei die RGB-Subpixel einzeln gezählt werden). Den 3.69 M-dot Sucher (1280×960) aus der A7RV hat man hier leider nicht genutzt.

Es gibt aber eine neuen Bildsensor. Nachdem man 6 Modelle lang 24 Megapixel genutzt hat, ist die Auflösung nun gestiegen auf… 26 Megapixel! Das ist jetzt irgendwie auch nicht so ein riesengroßer Fortschritt. Aber vielleicht ist es ja auch gar nicht so schlecht, wenn sie Auflösung nicht so hoch geht und immerhin handelt es sich erstmals um einen BSI-Sensor (Back Side Illuminated), also sollten doch Dynamik und Rauschverhalten dann große Fortschritte machen, oder?

In diesem praktischen Direktvergleich bei DPReview.com kann ich leider keine wesentlichen Verbesserungen des neuen Modells gegenüber ihrem 4 Jahre älteren Gegenstück erkennen. Da bin ich doch enttäuscht, denn das wäre ein Punkt gewesen um Geld für die neue Kamera auszugeben. An dieser Stelle nochmal ein Danke an DPReview.com für den Vergleich und die Datenbank mit all den Testbildern. Glücklicherweise gibt es die Webseite weiterhin, obwohl Amazon sie dichtmachen und löschen wollte.

Kein Wunder also, wenn das Echo für die Sony A6700 als neues Top-Modell für 1700 Euro doch eher bescheiden ausgefallen ist. Das soll alles sein, Sony? Wie soll denn dann eine A6200 aussehen, die vielleicht demnächst erscheint? Dasselbe ohne IBIS und mit kleinerem Akku, fertig? Wo bleiben die Innovationen?

Fairerweise sollte ich erwähnen, dass es kleinere Verbesserungen bei der A6700 gibt. Der Hybrid-Autofokus verfügt nun über 759 statt zuvor 425 Felder. Aber der Autofokus war halt schon bei der A6400/A6600 sehr gut. Das sehr umfangreiche Menu wurde etwas anders gegliedert, sodass es vielleicht etwas übersichtlicher sein soll. Vielleicht gibt es dann nicht mehr unverständliche Menüeinträge wie StO.infoVerknEinst (Standort-Info Verknüpfungseinstellung).

Eine weitere Verbesserung ist wohl auch, wenn man den Bildschirm in Selfie-Position bewegen will, denn klappt man ihn nicht mehr 180° nach oben sondern schwenkt ihn nur Seite. Die Mechanik fühlt sich auch etwas stabiler an. So richtig einen Unterschied macht das wohl, wenn man den Blitzschuh belegt hat, was bei Videofilmern mit einem Mikrofon der Fall ist. Aber da ich nur fotografiere und nicht filme, macht es für mich auch keinen großen Unterschied aus.

Fazit

Mit der A6700 gibt es nun das neue Top-Modell von Sony für APS-C. Ich denke wir werden in den nächsten Monaten noch ein zweites günstigeres Modell sehen, vielleicht heißt die Kamera dann A6200. Werde ich nun meine 4 Jahre alte A6400 in den Schrank legen und mir die neue A6700 für 1700€ kaufen? Ich denke nicht. Ich sehe kaum Verbesserungen gegenüber der A6600. Zudem ist die Kamera deutlich dicker als meine A6400 und passt daher nicht besonders gut mal eben in die Jackentasche. Ich hätte gedacht, dass Sony ihre APS-C-Kameras vielleicht mal etwas stärker differenziert, aber sie scheinen weiter ihrer Linie treu zu bleiben, dass es kaum Unterschiede zwischen den Modellen gibt.

Etwas schade finde ich, dass man gefühlt mehr zu einer Kamera mit IBIS gedrängt wird. Bei meiner A6400 dachte ich mir, ich brauche keinen Stabi in der Kamera, denn sowohl mein 10-18 als auch mein 18-135 sind ja stabilisiert. Inzwischen wird das 10-18 nicht mehr hergestellt und der Nachfolger, das 10-20 verzichtet auf einen Stabi im Objektiv. Man muss also eine Kamera mit eingebauten Stabi haben. Oder man ist unstabilisiert unterwegs, was gerade im Ultraweitwinkelbereich keine gute Idee ist; das war auch der Grund warum sich das 11/1.8 als Fehlkauf ohne Stabi für mich herausstellte. Auch andere neuere Objektive wie das 16-55/2.8 verzichten auf einen Stabi im Objektiv, zugunsten einer kompakteren Bauweise… nur muss man dann zur dickeren Kamera greifen.

Die Sony A6700 ist also Evolution statt Revolution. Oder ganz kleines Tennis. Die Unterschiede zur 4 Jahre älteren A6600 muss man schon suchen. Das heißt nicht, dass sie A6700 eine schlechte Kamera wäre, im Gegenteil. Aber der Vorgänger war halt schon eine sehr gute Kamera und die Verbesserungen sind gering. Vielleicht sind digitale Systemkameras heutzutage auch größtenteils ausentwickelt? Aber ich könnte mir durchaus nette Features vorstellen. Einen höher auflösenden Sucher hatte ich schon angesprochen. Etwas mehr Megapixel wären auch nicht schwer. Vielleicht ein Sensor der innerhalb der Belichtungszeit komplett digital ausgelesen werden kann? Das würde eine unendliche Blitzsynchronzeit ermöglichen und einen mechanischen Verschluss müsste man auch nicht mehr einbauen. Oder wäre es so schwer gewesen ein Feature aus der A7IV einzubauen, nämlich dass ein geschlossener Verschluss den Sensor beim Objektivwechsel vor Verschmutzung schützt? Nun ja, vielleicht bekommen wir all das mit einer Sony A7000 im Jahr 2027 🙂 Solange fotografiere ich erstmal mit meiner A6400 weiter.

19.11.2023

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3 comments

  • Joachim 19.11.2023   Reply →

    Danke für den Artikel. Korrigier’ mich wenn ich falsch liege: Eine ganz entscheidende Neuerung und bisher Alleinstellungsmerkmal unter den Sony-APS-C-Kameras ist die USB-C-Schnittstelle. Sobald Sony eine kompakte APS-C-Kamera mit USB-C bringt (die vielleicht sogar noch den NP-FZ100-Akku hat darf diese meine A6000 ersetzen.

  • Hannes Steegmüller 02.12.2023   Reply →

    Ich habe von Sony A6400 auf die neue A6700 gewechselt, die Verbesserungen sind in allen Bereichen.
    Bildqualität noch besser.
    Technik noch besser, kann noch mehr und das sehr gut.
    Die bedienung an A6700 mit dem neuen Menü, ist viel besser und leichter.
    Das 2te Drehrad am Haupdrehrad ist absolute Verbesserung.

    Die neue A6700 ist in allem nicht schlechter als auch schon die sehr guten Vorgängermodelle.

  • Gerd 03.12.2023   Reply →

    Moin aus dem Norden,

    mein Sohn hat seit ca. 3 Jahren die A6400 und ich habe mir im August die A6700 zugelegt. Wir waren im Herbst in Lappland unterwegs, und haben unter nahezu identischen Bedingungen Vögel fotografiert. Trotz Vogelaugenerkennung hatte mein Sohn einen nur geringfügig höheren Ausschuss. Aber was anderes viel uns auf : Die Bilder (RAW) der A6400 wirkten bei höheren ISOs (1600-3200) detailreicher. Auch die Farben erschienen uns satter. Auch DXO Pure Raw kitzelt m.E. mehr aus den Bildern der A6400 heraus. Trotzdem ist die A6700 eine klasse Kamera, hatte in Bezug auf Bildqualität allerdings etwas mehr erwartet…. Eines soll noch erwähnt sein : Rolling Shutter tritt nicht mehr ganz so häufig auf, wie bei der A6400 ….

    LG
    Gerd

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